Datum Mittwoch, 6. bis Sonntag, 10. Mai 2026
Tourenbericht
Da die Skitour von letztem Frühling auf das Aletschhorn wegen Sauwetter abgesagt wurde, sollte es dieses Jahr klappen. Doch wie kommt es, dass die ausgeschriebene Skitour auf das besagte Horn schlussendlich auf das Nordend führt? Kann man sich derart krass verirren? Mitnichten. In vorausschauenden Überlegungen unter Konsultation der örtlich vorherrschenden Schneeverhältnissen und Wetterprognosen hat Adi vorgeschlagen, die Region Jungfraugebiet mit der Monte-Rosa-Gegend zu tauschen. Das löste ein munteres An- und Abmelden aus und so standen die Beteiligten erst im letzten Moment fest: Büschlen Adi als Bergführer, Trummer Pädi und Künzi Jeri als Tourenleiter und schliesslich als Teilnehmer*innen Bärtschi Trix, Schranz Elena, Büschlen Däni, Luginbühl Björn und meine Wenigkeit Pieren Kusi.

Mittwoch, 6.Mai
Zermatt erwartete uns meteorologisch kühl und regnerisch. Im Rotenboden beherrschten Nassschneetreiben und dichter Nebel die Szenerie. Nicht gerade anmächelig, aber was soll’s, Augen zu und durch. Regenzeug montieren, Ski aufbinden und auf Schusters Rappen dem Gornergletscher entgegen. Leider liess bei einigen Akteuren die Dichtigkeit der Regenklamotten etwas zu wünschen übrig. Ganz im Gegensatz zu den Steinböcken, welche uns mit wasserdichtem und schneebedecktem Fell stoisch beäugten. Am Gletscher wurde angefellt. Markierungen mittels Stecken und Stangen leiteten uns durch das White-Out. Glücklicherweise liess der Niederschlag im Bereich der Saaser-Licka nach, was die Überschreitung derselben erheblich erleichterte. Der Nebel lichtete sich und sogar die Sonne lugte hervor und lies die frisch verschneite Bergwelt erstrahlen. Inmitten der bezaubernden Alpenwelt liess sich auch die im Sonnenlicht glänzende Kristallform der der Monte-Rosa-Hütte erkennen. Was für ein wunderbarer Anblick. Nach einem kleinen Abstecher zu einem Pulverhängli erreichten wir rechtzeitig die Hütte, denn Nebel und Schneefall setzten alsbald wieder ein. Zügig wurden Unterkunft und Bettstatt bezogen, denn schon bald stand das Znacht in Form eines 4-Gängers bereit. Lecker, lecker.

Donnerstag, 7.Mai
Nach einer soso-lala-Nacht begaben wir uns noch etwas schlaftrunken um 4 Uhr an den Frühstückstisch. Was für ein sternenfunkelnder Morgen, welch wundersame Morgenstimmung! Über den Grenzgletscher mit seinen imposanten Seracs spurten wir angeseilt in Richtung Italien. War es die Kälte, oder die Höhe, oder schlicht die atemberaubende Bergwelt, welche sich mit einer gewissen Schweratmigkeit bemerkbar machte? Oder doch eher die fehlende Kondition oder ev. das Alter? Das bleibe mal dahingestellt. Ein deutliches Wumm im Bereich einer Schneebrücke rief uns in Erinnerung, dass wir uns nicht auf normalem Terrain bewegten. Zwei markante Gletscherspalten versperrten uns den Weiterweg. Nach einem kurzen Retour wurde schliesslich doch noch ein Durchgang gefunden und nach laaaangem und froooostigem Aufstieg erreichten wir schliesslich ein erstes Sonnenplätzi, wo wir uns mit klammen Fingern Speis und Trank genehmigten. El Presidente entschied sich, die Pause noch etwas zu verlängern, um mit Musse das von der Monte-Rosa-Küchencrew hergestellte Monster-Sandwich genüsslich zu verspeisen. Die übrigen setzen in Richtung Colle Gnifetti zum Gipfelsturm auf die Zumsteinspitze an. Der Bergschrund beim Skidepot wollte sich nicht so ohne weiteres bezwingen lassen. So machten einige Teilnehmer unverhofft mit dessen Tiefe Bekanntschaft. Aber mit dem notwendigen Equipment und der fachgerechten Anwendung desselben, verbunden mit der Routine von unseren Begleitern konnten wir uns nach einigen Kraxeleien auf 4563 M.ü.M. gratulieren. Die scharfe Brise bewog uns, den Gipfel unisono wieder zu verlassen, was nach erfolgtem Gruppenselfie auch erfolgte. Die nun anstehende Abfahrt durch den Powder mit den Prädikat 1a liess all die Anstrengungen des Aufstiegs in Vergessenheit geraten. Die steilen Abschnitte liessen sich sidefiin befahren, während auf den flacheren Passagen stöckeln und schieben anzuwenden war. Mit abnehmender Höhe wandelte sich die Schneequalität zusehends in eine feuchtklebrige Masse. Zudem mussten wir feststellen, dass sich der Zermatter-Granit und die Skikanten schlecht vertragen, wobei sich der schwach überdeckte Granit stets als robuster erwies. Aber Oester Sport oder sonst eine Skibude werden es schon wieder richten. Nachdem Kleider, Innenschuhe und Utensilien zum Trocknen ausgelegt waren, gesellten wir uns in den Essraum, genehmigten uns schon mal Kaffee und Kuchen und begossen den gelungenen Tag mit einem kühlen Blonden. Prost.

Freitag, 8.Mai
Nachdem gestern die Hütte noch mässig belegt war, so herrschte nun deutlich mehr Betrieb, was sich mit Stimmengewusel und Gerangel bemerkbar machte. Die ganze Gästeschar drängte gefühlt zur gleichen Zeit zum Aufbruch, mit entsprechenden Auswirkungen. Der erneut sternenklare Morgen versprach wiederum einen herrlichen Tourentag. Heute wollten wir die gestern erreichte Höhe noch etwas toppen, nämlich mit dem Nordend auf 4608 M.ü.M. So montierten wir Felle und Harscheisen und im Schein der Stirnlampen bewältigten wir auf der pickelharten Aufstiegsspur den Steilhang zur obere Plattje. Auf dem Monterosa-Gletscher überwanden wir Höhenmeter um Höhenmeter. Durch die monotone Schrittfolge, verbunden mit dem sonoren Summen der Felle entstand ein leicht meditativer Zustand. Doch plötzlich Adi‘s Gebrüll: Achtung, secklä!!! versetzte uns einen Adrenalinschub. Oberhalb der Aufstiegsspur löste sich ein Serac und rutschte geradewegs auf uns zu. Mit Schrecken mussten wir zusehen, wie eine vor uns aufsteigende Dreier-Seilschaft von den Schnee- und Eismassen überrollt wurde. Glücklicherweise lagen die Betroffenen sichtbar auf dem Lawinenkegel und konnten rasch befreit werden. Angesichts der massiven Eis- und Schneemassen grenzt es an ein Wunder, dass niemand verletzt wurde. Alle kamen mit dem Schrecken davon. Was nun? Setzen wir den Aufstieg fort? Oder brechen wir ab? Ist es zu gefährlich oder gar fahrlässig? Nach eingehender Diskussion und nach persönlichem Innehalten entschied sich ein Teil unserer Gruppe, abzubrechen. Die anderen setzen mit gemischten Gefühlen den Aufstieg fort. Nach erfolgtem Wechsel von Ski auf Steigeisen und Pickel auf dem Silbersattel bewegten wir uns vorsichtig dem Schneegrat entlang. Nach einer kurzen Kletterei im vereisten Blockgelände war das Nordend erreicht. Gipfelglück und Sonne pur, verbunden mit einer gewaltigen 360-Grad-Rundsicht, inmitten einer imposanten hochalpinen Bergwelt, umgeben von weiteren 4000ern. Wow….Was soll man da noch sagen?
Die Abfahrt bot wiederum Pulver allererster Güte. Wie auf Wolken glitten wir talwärts, mit mehr oder weniger eleganten Schwüngen lockere Spuren zeichnend. Einfach genial, dieser Schnee! Viel zu schnell war die Hütte erreicht, wo wir den Rest der Gruppe wieder trafen. Das Grinsen auf ihren Gesichtern verriet uns, dass auch sie viel Powderspass genossen hatten. Beim leckeren Znacht liessen wir nochmals den Tag Revue passieren und tauschten über das Erlebte aus. Nachdenklich aber zufrieden begaben wir uns in die Horizontale und anschliessend ins Reich der Träume.

Samstag, 9. Mai
Heute wieder das gleich wie gestern, Zmorgen um 4 Uhr, Abmarsch um 5. Schliesslich sind wir ja zum Türelen da und nicht zum Ausschlafen. Zudem geht es heute wieder heimwärts. Über die Saaser-Licka zum Gornergletscher, hoch zum Stockhornpass und links herum und nordseitig auf das Stockhorn. Das war der Plan, welcher auch umgesetzt wurde. Die kalten Temperaturen fühlten sich etwas milder an, auch der frische Wind setzte zunehmend aus. So genossen wir bei angenehmen Bedingungen das Ambiente des letzten Tages. Auf dem Stockhorn liess sich nochmals das eindrückliche Monte-Rosa-Massiv in seiner ganzen Grösse und Erhabenheit bestaunen. Die Abfahrt runter ins Gant, geprägt von hartnäckigem, störrischem Bruchharst, war schlichtweg zum Vergessen. Was für ein Gegensatz. Nur zuunterst fanden wir noch etwas Sulz, was doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss führte. Es folgte noch ein Fussmarsch zur Station Riffelalp. Dort bestiegen wir die Gornergratbahn, welche uns angenehm tuckernd nach Zermatt zurückbrachte.

Epilog
Besten Dank an Adi, Pädi und Jeri, ihr habt uns souverän durch die Touren begleitet. Das Erlebte in den vergangenen Tagen rief uns einmal mehr ins Bewusstsein, dass es bei Weitem nicht selbstverständlich ist, gesund und unversehrt wieder heimkehren zu dürfen. Durch seriöse Vorbereitung und achtsames Bewegen im Gelände lässt sich manches vermeiden. Trotzdem, ein gewisses Restrisiko besteht immer und so vieles liegt nicht in unserer Macht. Deshalb geht der Dank für die Bewahrung an Gott den Allmächtigen, oder an wen auch immer.

Bericht: Kusi Pieren
SAC Sektion Wildstrubel
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