Kopftärlgrat Wilder-Kaiser / Watzmann
| Datum | Sonntag 14. Juni bis Samstag, 20. Juni 2026 |
| Tourenbericht Kopf… Kopf-was-Grat? Kopftörligrat, ah.. und Watzmann - das geht schon eher, Watz, das kann man sich merken. Keine Ahnung von diesem Kopf-sowieso, aber es machte gwundrig. Denn Ruedi lockt heuer mit einem besonderen Schmankerl: Klettern am Wilder Kaiser und Watzmann-Überschreitung im Grenzgebiet Deutschland-Österreich. Sonntag, 14. Juni: Bereits bei der Anfahrt Ellmau (gell Evelyne, Ellmau mit zwei «l»), östlich von Innsbruck, bestaunen wir die zahlreichen Türme und Zacken in hellem Kalkstein, verbunden mit den frischen Grüntönen des alpinen Rasens und der Latschenzonen mit den Bergkiefern. Stolz präsentierte sich der Wilde Kaiser im abendlichen Sonnenlicht. Ein wahrlich kaiserlicher Anblick. Ellmau im Tirol, unser erster Abend. Wir fuhren mit je einem Camper (Ruedi und Ursula, und Renate und Michèle), und mit je einem Auto aus dem Engadin (Evelyne) und aus Adelboden (Beatrice, Hämel und Kusi) an. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm. Beste Voraussetzungen für eine Bergwoche! Beim Apéro besprechen wir den morgigen Tag: via Kletterei zum Ellmauer Tor werden wir die Gruttenhütte anpeilen. Wir formieren uns in Seilschaften – quasi als Test für den Kopf-soundso-Grat. Mit freudiger Neugier geniessen wir den ersten gemeinsamen Abend, angeregt von gesprächigem Austausch, wo das Lachen nicht zu kurz kommt. Am Montag geht’s zeitig los im Sinn von aufstehen, anziehen und abfahren. Richtig gediegen kutschiert uns das Alpentaxi in 45 Minuten zur Griesner Alm. Das Frühstück (wenn man ein Teller Kaiserschmarrn so nennen darf) wird im dortigen Restaurant nachgeholt. Bei angenehmen Sonnenstrahlen wandern wir zum Einstieg. Eine Kalkwand mit den typischen Rillen bäumt sich vor uns auf, seitlich flankiert von hohen Felstürmen. Mit Zugstiegs- oder Bergschuh oder Kletterfinken suchen wir standfesten Halt und greifen tatkräftig zu. Ruedi und Ursula voran, gefolgt von Beatrice und Evelyne, dann Renate und Michèle, zuhinterst das „Aufräumungsteam“ Hämel und Kusi - sie sammeln die Schlosserei sprich Karabiner und Express ein. Ein zaghafter Start - wie geht das schon nöime mit diesem und jenem Handgriff am Stand, mit den Schlingen, den Sicherungen? - gefolgt von schnell werdender Seilhandhabung und Gewöhnung an den Felsen, und endet in einem flotten Tempo die Wand hinauf. Die Seilschaften haben sich bewährt. Oben am Tor ein fantastischer Ausblick. Der Weg zu unserer Nachtstätte, der Gruttenhütte, erweist sich nicht als hurtig hurtig - weit gefehlt: runter gehts, dann in unendlichen schlangenförmigen Kurven entlang steil abfallenden Felsformationen - ein Naturerlebnis. Endlich die Hütte. Einquartieren, heissts, und bedeutet u.a. Folgendes. Nebst der vielfältigen Tierwelt ausserhalb der Hütte treibt innerhalb derselbe leider ein unerwünschter Mitbewohner sein Unwesen, die Cimex lectularis, zu Deutsch gemeine Bettwanze. So darf nur ins Schlafgemach, was wirklich zum Nächtigen benötigt wird, und das auch nur nach einer Mikrowellenbehandlung. Alles andere muss in verschliessbaren Plastikkisten verstaut werden. Beim Durstlöschen folgt das Debreefing und der Ausblick auf die morgige Klettertour. Morgen sei das Wetter gut am Kopf-sowieso-Grat, berichtet Seppl, der Hüttenchef, keinen Regen, aber viel Wind, jaja, viel Wind, und kalt, sehr kalt. Die Nackenhaare stellen sich boutzgredi auf – brrr. Wer keine Händschen dabei hat, fischt in wahrlich letzter Minute welche aus dem Fundbüro, oder kauft sich welche. Das z'Nachtessen muss geduldig verdient werden; Seppl beglückt und mit einem sage und schreibe 15 minütigen Referat, schwärmt in den höchsten Tönen über die Vorzüge der Region mit ihren großartigen Hütten und der urigen Tyroler Lebensfreude, wobei seine Person dabei ja nicht zu kurz kommt. Derweil knurren unsere Mägen erbärmlichst. So ne Rede hat noch keiner von uns erlebt. Das abschliessende 3 Mal HOCH TYROL erlöst uns endlich in die Freiheit des z’Nachtessens. Versöhnen tun wir uns vor dem Zubettgehen mit einem Schluck hauseigenen, selbstgebrannten Tannzapferln-Schnaps. Dank Evelyns schmeichelhafter Umgarnungsstrategie erhalten wir unser Zmorge um 6:30 statt 7h; wie gerne wären wir um 5h aufgebrochen für eine derart lange Tour! So wunderts nicht, dass Seilschaften immer wieder - so der Seppl - aus dem Grat gerettet werden müssen. Wir haben es eben formidabel in den Schweizer Hütten, wo individuelle Zmorgenzeiten Gehör finden. So marschieren wir am Dienstag mal mit oder ohne Gschnädder los und sind erstaunt, wie zügig wir bereits den Grat erreichen. Anseilen und los gehts. Zuerst ein Gemisch aus Gehen und Kraxeln, was beim 2. der 6 Türme in Kletterei übergeht. Mit demselben Schuhwerk wie gestern. Die Türme kalkschön, werden teils ganz oder halb erklimmt, teils umgangen. Die Wegfindung nicht einfach. Sicherungshaken? Spärlich. Zeitweise klettert der Vorsteiger 10-15m über der letzten Sicherung - psychologisch etwas gruselig, obwohl die Kletterei nicht wirklich schwierig ist. So lege man sicherheitshalber den einen und anderen Friend. Mutig sind wir alle, denn es gefällt. Gerade zeitlich vor dem grösseren Regenguss erreichen wir die Ellmauer Halt, den Gipfel, glücklich über die gelungene Begehung. Leider ohne die erhoffte erhabene Weitsicht. Übrigens: nichts von viel Wind und kalt und gutem Wetter, dafür zunehmend grau bedeckt, und ab dem 5. Turm wird der Felsen glitschig vom Nieselregen. Hard core Kusi hält das aber nicht ab, weiter in seinem schweren Bergschuh zu klettern - er läuft einfach drauf los, und siehe da - es hält! Wissend, dass wir den letzten Bus auf der Wochenbrunneralm verpassen, begeben sich Ursula und Beatrice vom Gipfel abwärts auf ihr Trailrunning via Gruttenhütte zur besagten Alm, wo sie per Autostopp nach Ellmau fahren und zwei unserer Autos holen - Danke der großen Ausdauer und den schnellen Beinen! Leider verpassen die beiden den köstlichen Kaiserschmarren, den der Hüttenchef den Restlichen noch offeriert. Zurück in Ellmau gelingt es uns in letzter Minute, eine warme Mahlzeit zu ergattern (die Küche schliesst in Österreich erstaunlich früh). Schnitzel und Pommes sind dabei der Spitzenrenner in der Menüauswahl. Müde, zufrieden und froh um das Erlebte fallen wir alle in unsere Betten. Gemäss Beschreibung gilt die anstehende Tour als eine der schönsten und famosesten Gratklettereien in den nördlichen Kalkalpen. Und in der Tat: die 14 Seillängen mit a biserl Kraxeln in Kaminen und Rissen, unterschiedlich steile Platten und Wände mit mehr oder minder herausfordernden Passagen im Plaisir-Bereich, ein Genuss. Und das in einer wilden, archaischen Umgebung, einfach nur schön. Am Mittwoch war Transvertag. Wir fuhren in Richtung Berchtesgaden am Königsee. Gleichentags wanderten wir gemächlich zur Watzmannhütte, welche exponiert auf einer vorgelagerten Schulter thront. Gemächlich insofern, um uns etwas zu schonen für die anstehende Watzmannüberschreitung, welche über drei Gipfel, Hocheck, Mittel- und Südspitze und runter ins wildromantische, endlos lange Wimmbachtal führt. Gehzeit ca. 11 Std. und 2300 Hm Abstieg. Uff………. Das kannten wir ja schon: Morgenessen um 7.00 Uhr, frühestens, ohne Ausnahme. So beschlossen wir, Frühmorgens und nüchtern zu starten und später im Lichte des Sonnenaufgangs unterwegs zu breakfesten. Der österreichische Wetterdienst prognostizierte einen gäbigen Tag mit einem Mix aus Sonne und Bewölkung und eventuellen Gewittern am späteren Nachmittag. So bestiegen wir frohgemut die Bettstatt auf der Suche um etwas Schlaf. Wie steht es wohl um die Bettwanzen? Der Wecker klingelte um 3.30 Uhr. Auf und raus aus der Hütte. Aber oh Schreck: es regnet bereits. Trotzdem begaben wir uns in die dunkle Nacht und stocherten mit etlichen Zweifeln dem ersten Gipfel entgegen. Der erwachende Tag verhiess leider nichts Gutes. Zwar hatte der Regen nachgelassen und unter der Wolkenbasis war gar ein wager Sonnenaufgang sichtbar, leider aber auch eine sich nahende neue Regenfront. Noch harrten wir etwas aus, wägten ab, ob es Sinn macht oder doch eher nicht. Schliesslich beschlossen wir unisono, das Vorhaben abzubrechen und trotteten etwas missmutig zur Hütte zurück. Umso mehr genossen wir das Frühstück, welches ja nun zeitlich zur Verfügung stand. Eine erneute Konsultation der Wetterstationen meldete für den nächsten Tag eitel Sonnenschein, und so entschlossen wir uns, eine weitere Nacht in der Watzmannhütte zu verbringen, um die Überschreitung tags darauf nochmals zu versuchen. Und nun? Was macht man mit einem angebrochenen Tag? Michèle zog es vor, eine ruhige Kugel zu schieben, Ursula begab sich ins Tal, um fällige Parkplatzgebühren zu begleichen, Evelyne musste uns leider verlassen, da Chrigel mit der vollen Lischanahütte im Seich war. Die Übrigen begaben sich via Kührointalm auf die Archenkanzel, um dort den idyllisch gelegenen, tiefblau funkelnden Königsee zu begucken. Am Abend durften wir einen glutroten Sonnenuntergang bestaunen, welcher einen herrlich schönen morgigen Tag ankündigte. So war es auch. Die Sonne stieg ebenso glutrot im Osten auf, wie sie am Abend zuvor im Westen untergegangen war. So liess sich die Grattour in vollen Zügen geniessen. Dabei bewegten wir uns, teilweise mit dem Klettersteigset gesichert, in einer wild zerklüfteten Felslandschaft mit dramatischen Tiefblicken. Nach dem Überschreiten der drei Hauptgipfel folgte der schroffe Abstieg ins Wimbachtal. Immer wieder faszinierend, das Eintauche vom felsigen Gelände in die üppiger werdende Vegetation mit den leuchtend farbigen Albenblumen und den widerstandsfähigen Spirken, einer aufrechtstehenden Bergkiefernart, charakteristisch für dieses Tal. Eine Besonderheit sind zudem die hellen Schuttströme, welche unter dem Einfluss der Schwerkraft ständig, aber kaum merklich in Bewegung sind. Wie vielfältig und eindrücklich sich doch die Natur wieder mal präsentiert. Im Tal kämpften wir uns durch die Hitze und konnten schliesslich in der Gartenbeiz der Wimbachgriesshütte unsere trockenen und ausgedörten Kehlen ausgiebig befeuchten. Das tat gut, was für ein Wohlgenuss! Und weiter gings zum Wimbachschloss, wo wir erneut den Durst löschen konnten. Welch köstliche Erfrischung. So kehrten wir langsam aber sicher wieder in die Zivilisation zurück. Schliesslich gönnten wir uns noch ein erfrischendes Bad im Kühlen und klaren Nass des Königsees. Den Hunger stillten wir anschliessend mit einem wärschaften Znacht. So neigte sich ein wunderbar geschenkter Tag dem Ende zu. Am nächsten Tag hiess es Abschied nehmen. Doch zuvor schlossen wir uns den Touristenströmen an und erreichten mit der Gondelbahn den Jenner, ein weiterer Aussichtspunkt mit Sicht auf den Königsee und das Watzmanngebirge. Ruedi zückte nochmals seine legendäre Liste mit den Plus- bzw. Minusangaben der noch zu begleichenden Eurozahlungen. Die nimmersatten Ursula und Ruedi blieben noch vor Ort und gönnten sich anderntags vor der Heimfahrt eine weitere Tour. Renate und Michèle speedeten von der Wochenbrunneralm nochmals in die Gruttenhütte – nicht etwa wegen dem Seppl! Sondern um die von Michèle liegen gelassene Jacke zu holen, und dabei nochmals beim süssen und sauren Radlergenuss den Kopftörlgrat zu bestaunen (und sie liesse es sich denn auch nicht nehmen, bei der Heimfahrt dem Strassenschild «Innsbruck Zentrum» zu folgen, um in der Altstadt ein z’Nachtessen zu geniessen und mit Glace in der Hand durch die Gassen zu flanieren, was dazu führte, dass sie um 01:30 in Bern einfuhren…). Beatrice, Hämel und Kusi blochten mit dem schnittigen Subaru in Richtung Berner Oberland, unterbrochen mit einer Brünzli-Pause an den Gestaden des Walensees. Unterwegs ertönte immer mal wieder die monotone Stimme des Navis: „BITTE BEACHTEN SIE DIE GESCHWINDIGKEITSBEGRENZUNG“ Eine erlebnisreiche Woche fand somit ihr Ende. Herzlichen Dank an Ruedi und Ursula für die Organisation und allen andern für die erfrischende und wohltuende Gemeinschaft. Es war schön mit Euch! Kusi und Michèle. |
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